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Garten gestalten, aber natürlich

Mitten in Chur einen Garten plus Pool gestalten? Das war für Tanja Casparis eine Frage des Vertrauens, sowohl auf das eigene Bauchgefühl als auch auf das Wohlwollen der Bauherrschaft. Damit gelang ihr die Balance zwischen Natürlichkeit  und Gestaltung.

Der umgestaltete Garten umschliesst das Haus und den kantigen Betonpool mit einer sanften Bepflanzung.
Der umgestaltete Garten umschliesst das Haus und den kantigen Betonpool mit einer sanften Bepflanzung.
Während das Becken tagsüber gerne zum Sport benutzt wird, kommt es dank seiner Beleuchtung abends wie im Smoking daher.
Während das Becken tagsüber gerne zum Sport benutzt wird, kommt es dank seiner Beleuchtung abends wie im Smoking daher.
Grün in runden Töpfen durchbricht die Geometrie des Geraden.
Grün in runden Töpfen durchbricht die Geometrie des Geraden.

Jedes Mal, wenn man ein neues Grundstück betritt, geht eine eigene Welt auf. Die meisten Menschen orientieren sich kurz, ordnen ein und nehmen zur Kenntnis, um sich dann dem Gastgeber zuzuwenden oder zur Tagesordnung überzugehen. Nur die wenigsten lassen sich intensiv auf diese «eigene Welt» ein, erfassen mit allen Sinnen das Ganze und die Details, Farben und Formen, Perspektiven, Parallelen und Gegensätze, Muster, Materialien, Gerüche und Geräusche – sowie das Entwicklungspotenzial. Eine dieser Achtsamen und Weiterdenkenden ist Gartengestalterin Tanja Casparis. «Bei mir geht das alles in Sekunden ab, ohne das ich es steuern könnte», gibt sie schmunzelnd zu. Denn sobald sie in einem Garten steht, eröffnen sich ihr anhand vieler Erfahrungen erste Ideen. «Durch die Art und Lage von Grundstück und Haus, aber auch aufgrund der Wünsche und Wesensart der Bewohner schwebt mir rasch ein Bild vor: Wo es Handlungsbedarf gibt und wo möglicherweise die Knackpunkte liegen.»

Wellness ist auch, wenn man mit einem stimmigen Umfeld Entspannung für Körper und Geist schafft.
Wellness ist auch, wenn man mit einem stimmigen Umfeld Entspannung für Körper und Geist schafft.
Das Spiel vom Runden, das zum Eckigen muss, setzt sich auch auf dem Weg zum Kräutergarten fort.
Das Spiel vom Runden, das zum Eckigen muss, setzt sich auch auf dem Weg zum Kräutergarten fort.
Unter der Gartendusche verfliegen die Sorgen des Tages wie von selbst.
Unter der Gartendusche verfliegen die Sorgen des Tages wie von selbst.

Kontraste in Harmonie 
Auch das vorliegende Projekt war für Tanja Casparis eine Sache des Bauchgefühls. Was sie dabei vor allem schätzte, war das Vertrauen der Auftraggeber, die ihr bei Kreativität und Umsetzung freie Hand liessen. Ganz am Anfang stand der Wunsch der Bewohner nach Wassersport und Wassergenuss. Gemeinsam entschied man sich für ein markantes Betonbecken, welches den länglichen Garten betonen und unterteilen sollte. «Kontraste und Harmonie bestimmen unser Leben. Als Ausgleich zum streng geometrischen Pool schlug ich weiche, organische Formen vor, konkret eine Begrünung mit Weiss- nuancen», erzählt Tanja Casparis. «Dabei hatte ich weitestgehend freie Hand. Das Vertrauen ging so weit, dass ich auch das ganze Gartenmobiliar vorschlagen konnte, bis hin zum passenden Geschirr.» Als Ergebnis ihres Konzepts ergänzen sich nun die organisch (nach-)wachsenden und die von Menschen geschaffenen Elemente im Zusammenspiel von rund und eckig, hart und weich, warm und kalt. Wobei die Formensprache sich auch überschneiden kann, zum Beispiel bei den runden Tischchen und bauchigen Töpfen, aber auch beim eckigen Hochbeet mit dem Kräutergarten. Zusammengehalten wird alles vom Leben am Pool mit seiner hölzernen Sonnendeck-Lounge, welche direkt ans Haus anschliesst und dank der hohen Steinmauer windgeschützt ist. 

In der Natur zuhause 
Eine der wenigen Vorgaben der Bauherrschaft war der Wunsch nach Sichtschutz und Privatsphäre, welche der Garten des Stadthauses bieten sollte, sowie eine ansprechende Erscheinung zu jeder Jahreszeit. Dies gelang Tanja Casparis dank einer Mischung aus immergrünen und blühenden Gehölzen sowie mehrjährigen Blütenstauden und Ziergräsern. Wobei ihr der sensible Umgang mit erhaltenswerten Bäumen und Gehölzen wichtig war: Sie beliess den gesunden Bestand und gab lokalen Gewächsen den Vorrang. Als oberstes Gebot bezeichnet sie die Waage zwischen Eingriff und Eigendynamik. «Ich suche eine harmonische Gestaltungssprache, die sich an der Umwelt und den Wünschen der Kunden orientiert, damit sie sich im Garten zuhause fühlen können», führt die Bündnerin aus. «Wenn man den Garten betritt, soll man merken, dass ihn fleissige Hände gestaltet haben, aber die Natürlichkeit soll ganz klar ihren Platz haben – nüchtern und steril gefällt mir kein Garten. Eine überzeugende Harmonie ergibt sich allerdings nur mit charakterstarken Pflanzen und echten Materialien, ausgewogenen Proportionen und einem wachen Auge für das Zusammenspiel von Architektur und Natur.»

Text: CT, Fotos: Stefan Küng
aus: Häuser modernisieren, Heft Nr. 1/2019

Bezugsquelle:
Zingg Gartengestaltung 
Tanja Casparis 
7012 Felsberg 
Tel. 081 258 44 66
www.zingg-gartengestaltung.ch

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